2. Kalihistorisches Symposium in Sondershausen (Thüringen)

Reisezeitraum
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20000622
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20000624

Meinen Beziehungen zu Kalibergleuten hatte ich es zu verdanken, dass ich in der Zeit vom 22. – 24.6.2000 zum 2. kalibergbauhistorischen Symposium in Sondershausen (Thüringen) eingeladen wurde, um dort einen Vortrag zum Thema „Die deutsche Kaliindustrie im Spiegel ihrer historischen Finanzdokumente“ gehalten, der 2003 als Nr. 7 der „Sondershäuser Hefte zur Geschichte der deutschen Kali – Industrie“ in Druckform erschienen ist.

In Sondershausen hatte ich mich im Hotel Thüringer Hof einquartiert. Da das Symposium erst am folgenden Tag begann, konnte ich mit in dieser „Musik- und Kalistadt“ erst einmal umsehen, was von dem zentral gelegenen Hotel (direkt gegenüber dem Schloss) sehr gut möglich war. Sondershausen ist im 8. Jahrhundert als fränkische Siedlung entstanden und wurde 1125 erstmals urkundlich erwähnt. Ab dem 14. Jh. folgte die 600-jährige Geschichte der Herrschaft des Hauses Schwarzburg – Sondershausen, die erst nach dem 1. Weltkrieg endete. Die Stadt trägt daher typische Akzente einer Residenzstadt. Zu dem 2. kalihistorischen Symposium hatten sich rd. 100 Teilnehmer angemeldet. Als Ort des Vortragsprogramms war das „Haus der Kunst“ im Schlosspark gewählt worden; das Motto des Symposiums war „140 Jahre Kalisalzförderung in Deutschland“ gewählt worden. Nach der Begrüßungsansprache des Sondershäuser Bürgermeisters Joachim Kreyer begann das Vortragsprogramm am Donnerstag, den 22.6., mit Prof. Günther Duchrow zum Thema „Die historische Wiege des Kalibergbaus“, gefolgt von Bergrat Volker Dennert („Kalisalzbergbau am Oberrhein“), und Frank Baranowski („ Die Umwandlung von Kaliwerken zu unterirdischen Heeresmunitionsanstalten während der NS-Zeit“). Den Abend verbrachte ich im Hotel im anregenden Gespräch mit Herrn Dipl.-Ing. Helmut Meuskens, einem gestandenen Kalimann mit profunden Kenntnissen der Geschichte dieser Industrie.

Das Vortragsprogramm wurde am 23.6. fortgesetzt: Christian Schilder: „100 Jahre Kalibergbau im Südharz – Unstrut – Revier“, Hans – Peter Riesche: „Das Hannoversche Kalirevier – Anfänge, Entwicklung und heutiger Stand“), Hermann – Josef Hohmann / Lothar Brückner: „Die Kaliindustrie als Faktor regionaler Entwicklung – Grundzüge der Sozial-, Wirtschafts- und Technikgeschichte im Werra – Revier von den Anfängen bis zur Gegenwart“, Rainer Karlsch: „Die ostdeutsche Kaliindustrieals Reparationszahler 1945 – 1950“. Der achte Vortrag war dann mir zu dem o.g. Thema vorbehalten (Dia – Vortrag mit gut 50 Abbildungen von Stücken aus meiner Sammlung). Wolfgang Kramer beschloss mit seinem Vortrag „Vom Klauben zur kombinierten Verarbeitung – über die historische Entwicklung der Aufbereitung von Mineralsalzen“ das Programm. Am Abend konnte ich am festlichen Empfang des Bürgermeisters im Rathaus teilnehmen.

Am Samstag, den 24.6., befuhr ich mit einigen anderen Teilnehmern des Symposiums die Grube „Glückauf“ in Sondershausen (älteste heute noch befahrbare Kaligrube der Welt, geteuft 1893). Die Grube wird heute touristisch stark genutzt („Kristall – Lauf“, Mountain – Bike – Rennen, Hochzeitsfeste). Auf dem Grubengelände haben sich auch Nachfolgebetriebe angesiedelt. Beeindruckend ist der 1908 durch den Gründer der Gewerkschaft Glückauf, Heinrich Leopold Brügmann und Fürst Carl – Günther von Schwarzburg – Sondershausen eingeweihte untertägige Festsaal. Fast 100 Jahre (Betriebsein-stellung am 21.6.1991) ging hier der Kalibergbau in 700 – 900 m Tiefe um. Mit insgesamt sechs Schächten nahm die Gewerkschaft Glückauf – Sondershausen in der Industrie eine führende Position ein.

Ein Besuch des Bergmanns – Familienfestes am architektonisch besonders gelungenen Petersenschacht bei Bier, Thüringer Bratwurst und „Kalisole“ (ein örtlicher Schnaps) mit einigen anderen Teilnehmern des Symposiums bildete den Abschluss eines mir in angenehmer Erinnerung bleibenden Veranstaltung in der thüringischen Stadt.

Gern hätte ich auch am 3. kalihistorischen Symposium – wiederum in Sondershausen – in der Zeit vom 20. – 22.6.2002 teilgenommen, doch diesmal hatte die Familie Vorrang, indem wir in Prerow auf dem schönen Darß in Mecklenburg – Vorpommern unseren Sommerurlaub mit Kindern, Schwiegerkindern und Enkeln verbrachten.