Kurz vor der politischen Wende war es dem Geschichtsausschuss der GDMB gelungen, in der Zeit vom 14. – 18.9.1988 eine erlebnisreiche Reise in das Erzgebirge durchzuführen. Dummerweise gehörte ich zu diesem Zeitpunkt der Vereinigung noch nicht an. Es war also nicht zu erwarten, dass so bald wieder eine montanhistorische Reise in diese Region anstand. Was also tun, wenn man darauf brennt, diese Gegend kennen zu lernen ? Natürlich hätte man auch eine Reise auf eigene Faust durchführen können, aber in Geselligkeit mit fachkundigen „Montanisten“ hat eine Fahrt doch einen sehr viel größeren Reiz. Ich hatte am 7.4. 1990 in Berlin – Weissensee mit Herrn Dr.-Ing. Werner Trinks (technischer Direktor der Saxonia AG Metallhütten- und Verarbeitungswerke – früher Kombinat Albert Funk) anlässlich einer gemeinsamen Tagung von Führungskräften der Bundesrepublik und der DDR (Ausrichter: Mein Verband VAF) kennen gelernt. Er gab mir gute Tipps für eigene Aktivitäten auf einer Reise nach Freiberg. Leider ließ sich dieser erste Plan aus vielfältigen Gründen nicht realisieren. Da fügte es sich gut, dass der GDMB – Fachausschuss „Bergtechnik“ im September 1991 zu einer bergmännischen Fachtagung in die Bergstadt Freiberg eingeladen hatte. Ich meldete mich spontan an, obwohl meine Kenntnisse zu den Fachthemen zu diesem Zeitpunkt noch mehr als lückenhaft waren. Aber frisch heran, man kann ja immer nur lernen.
Meine Frau entschloss sich, mich zu begleiten; wir fuhren mit dem eigenen Wagen dorthin. Die noch nicht gefestigten Verhältnisse in der gerade untergegangenen DDR brachten es mit sich, dass schon die Unterbringung auf Probleme stieß. Nachdem das Gästehaus des ehemaligen Kombinates Albert Funk bereits belegt war, wies man uns eine Studentenwohnung in der Bergakademie zu, die ein überraschend angenehmes Wohnen ermöglichte. Das Vortragsprogramm deckte nahezu die gesamte Palette des bergmännischen Wirkens in Wissenschaft und Industrie ab und bedeutete für mich eine deutliche „Vermehrung gewonnener Erkenntnisse“. Der seinerzeitige Vorsitzende der GDMB, Herr Dr.-Ing. Rolfroderich Nemitz, nutzte in seinem Eröffnungsreferat die Möglichkeit, für die Mitgliedschaft in der GDMB auch in den neuen Bundesländern zu werben. Für mich besonders interessant war der Vortrag von Herrn Prof. Dr. Gerhardt (Bergakademie Freiberg) über den Zustand des Bergbaus in der ehemaligen DDR. Die von mehr als 70 Teilnehmern genutzte Möglichkeit zu einer Exkursion führte uns zu Befahrungen der Bergbaubetriebe Königstein und Drosen der Wismut AG sowie zu den Gruben Altenberg (in der Auslaufphase) und Ehrenfriedersdorf (sächsischer Zinnbergbau).
Der zünftige Bergmannsabend in der Betstube der Lehrgrube „Alte Elisabeth“ war für mich ein großes Erlebnis, ein noch viel größeres die am nächsten Tag stattfindende Befahrung des historischen Grubenbereiches der Zechen Alte Elisabeth und Reiche Zeche, die mehr als drei Stunden dauerte. Die Befahrung fand unter profihaften Bedingungen statt (die Teilnehmer waren ja auch alles Profis – bis auf mich !). Es war eigentlich die erste Befahrung, die mir eine ungefähre Vorstellung darüber verschaffte, was Bergbau in früheren Jahrhunderten bedeutete und unter welch unsäglichen Mühen und Strapazen die Bergleute seit dem frühen Mittelalter (die Silbererzlagerstätten der Stadt Freiberg wurden 1168 entdeckt) die Erze aus dem Berg förderten. Der Zustand der alten Anlagen ist so, dass sie zwar noch befahren werden können (die Studenten der Bergakademie werden hier praktisch geschult), aber die körperliche Beanspruchung ist ziemlich hoch. Als Kuriosität ist mir noch in Erinnerung, dass die Befahrung in Uniformen der Nationalen Volksarmee erfolgte, die man zu einem Stückpreis von 5 Mark aus Altbeständen erworben hatte, um die Besucher einzukleiden (leider ist ein Fotodokument darüber nicht erhalten). Meine Frau freute sich, dass ich der Unterwelt heil entronnen war. Diese Reise wird mir in dauerhafter Erinnerung bleiben !