Forbach (Lothringen) mit dem Thema „Bergbau in Lothringen“

Reisezeitraum
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20021003
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20021006

Mit Lothringen hatte sich der Geschichtsausschuss der GDMB auch 2002 ein montanhistorisch sehr interessantes Ziel gewählt. Unser Standort Forbach liegt unmittelbar hinter der deutschen Grenze auf französischem Territorium. Im Hinblick darauf, dass eine Tour von Hamburg nach Lothringen „in einem Rutsch“ doch arg lang ist, machte ich in Meerbusch bei Düsseldorf Zwischenstation bei meinem langjährigen Freund und Lehrkollegen Harald Konrad, mit dem ich einen vergnüglichen Abend verlebte.

Am nächsten Morgen blieb sogar noch Zeit für einen Ausflug an den Niederrhein mit Besuch der Feste Kaiserswerth, wo wir auch noch gemeinsam Mittag essen konnten. Dann ging es weiter durch die Eifel und die Pfalz zum Zielort Forbach.

Wie üblich, wurde am Beginn der Veranstaltung, an der diesmal „nur“ 56 Mitglieder (incl. Begleitung) teilnahmen, im Hotel „Mercure Forbach Centre de Loisirs“ vom Bürgermeister (Maitre) der Stadt Forbach ein Einführungsvortrag mit Vorstellung der Region geboten. Bekanntlich gehörte Lothringen in der Periode seit dem deutsch – französischen Krieg 1870/71 bis zum Abschluss der Versailler Friedensverträge 1919 zum Deutschen Reich. Die Begründung der Montanindustrie auf der Basis reicher Erz (Minette) – Vorkommen und Steinkohle maßgeblich mit deutschem Kapital. Bis lange nach dem 2. Weltkrieg war das Bild Lothringens geprägt vom Bergbau und den zahlreichen Hüttenwerken, die heute weitgehend stillgelegt sind. Auch der Bergbau sieht 2004 seinem endgültigen Ende entgegen. Unsere erste Exkursion führte uns am 4.10. zum Bergbaumuseum „Carreau Wendel“ in Petit Rosselle (Klein – Rosseln). Das Bergwerk war keine deutsche Gründung, sondern gehörte zu dem traditionsreichen (französisch beherrschten) Montankonzern Les Petits Fils de Francois de Wendel & Cie. Nach einführenden Grußworten von französischen und deutschen Persönlichkeiten fand in der ehemaligen Kohlenwäsche ein Vortragsprogramm statt: M. Francois Michalski (Directeur des Activités Industrielles der Houillères du Bassin de Lorraine): „Steinkohlenbergbau in Lothringen“, Dr. Norbert Bannenberg (Vorstand der AG der Dillinger Hüttenwerke): „Eisen- und Stahlindustrie in Lothringen und im saarländischen Raum“, Prof. Dr. Ludwig Heck: „Himmelblau aus rotem Sandstein – vom römischen Bergbau an der Saar“. Leider ausgefallen wegen Verhinderung des Referenten war der Vortrag eines französischen Referenten zum Thema „Eisenerzbergbau in Lothringen“.

In der Kohlenwäsche wurde auch das Mittagessen eingenommen. Dr. Uwe Burghardt (Conservateur en Chef) stellte das Museumsprojekt „Carreau Wendel“ vor. Er begleitete die Gruppe anschließend auf dem Rundgang über das gut erhaltene Industrieareal und warb um eine aktive Unterstützung des Projektes. Der Bus brachte uns in kurzer Fahrt dann zu der noch in Betrieb befindlichen Kokerei Carling (in deutscher Zeit zur Saar- und Mosel Bergbau – AG gehörend), die heute bereits überwiegend mit importierten Kohlen arbeitet.

Der Folgetag (5.10.) stand zunächst im Zeichen des Eisenerzbergbaus, indem wir in das Besucherbergwerk in Neufchef einfuhren und auch das dazugehörige Museum besuchen konnten. Nach dem gemeinsamen Mittagessen in der Museumsgaststätte ging die Fahrt weiter nach Metz, wo kein montanhistorischer Programm auf dem Plan stand, sondern eine Stadtführung (einschl. der beeindruckenden Kathedrale). Die Fahrt dorthin gestaltete sich insofern interessant, als Dipl.-Ing. Thomas Neu aus Saarbrücken weitere interessante Ausführungen zum Thema der Reise machte.

Die Rückfahrt führte uns erneut in die „Carreau Wendel“, wo wir das gemeinsame Abendessen einnahmen und der Bergkapelle St. Ingbert zuhören durften. Etwas traurig war ich darüber, dass mein sorgfältig ausgearbeiteter Vortrag zum Thema „Finanzdokumente aus dem Berg- und Hüttenwesen der Region Saarland – Lothringen – Luxemburg“ wegen der zeitlichen Enge des Programms nicht stattfinden konnte. Dies war insofern besonders bedauerlich, weil dieses Thema auch aus Sammlersicht sehr dankbar ist. Der Vortrag ist jetzt in der „Warteschlange“.

Die Rückreise musste dann ohne Zwischenaufenthalt bewältigt werden.