GDMB – Hauptversammlung in Freiberg und Dresden mit anschließendem Aufenthalt in Prag (17.-20.6.) und Karlsbad (20. – 22.6.94)

Reisezeitraum
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19941013
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19941018

Im Jahre 1994 jährte sich zum 500. Mal der Geburtstag des Begründers der Montanwissenschaften, Georgius Agricola (24.3.1494 – 21.11.1555). Sein berühmtes Werk „De re metallica libri XII erschien ein Jahr nach seinem Tode im Jahre 1556. Aus diesem Grunde fand die diesjährige Hauptversammlung der GDMB (gleichzeitig die Zweite Europäische Metallkonferenz) im Erzgebirge statt, der wesentlichen Region, in der Agricola wirkte. Da diese Veranstaltung einen hohen Erlebniswert versprach, nahm ich mit meiner Frau daran teil. Die einzelnen Programmpunkte fanden sowohl in Freiberg als auch in Dresden statt.

Wir entschlossen uns, das Freiberger Hotel Kreller als Standort zu wählen. Die überragende Bedeutung dieser Veranstaltung führte dazu, dass sich (einschl. Begleitung) mehr als 400 Personen angemeldet hatten. Bemerkenswert war der hohe Anteil ausländischer Teilnehmer.

Wir reisten am 13.10. mit dem eigenen Wagen an, um am Abend noch am Bergmannsabend (Bergbier) in der Betstube der früheren Fundgrube „Alte Elisabeth“ teilzunehmen (Bärbel verzichtete). Die stimmungsvolle Atmosphäre dieses Gebäudes hatte ich bereits 1992 einmal kennen gelernt. Dr. Herbert Pforr hielt einen Vortrag zum Thema „Freiberg als Stadt der Wettiner des Silberbergbaus“. Umrahmt wurde der Abend durch bergmännisches Musizieren mit Orgelspiel.

Der 14.6. stand im Zeichen einer montanhistorischen Exkursion durch das Erzgebirge (2 Busse). Die Besichtigungen umfassten u.a. die Wasseranlagen des Altbergbaus (Gräben, Teiche), den Frohnauer Hammer, Annaberg – Buchholz mit der Annakirche (berühmter Bergaltar) sowie in Böhmen Gottesgab (Bozi Dar), das Schwarzwassertal, Platten (Horni Blatna) sowie schließlich Joachimsthal (Jachymov) mit einer ausgedehnten Stadtführung.

Am 3. Tag (15.6.) stand für die Damen eine weitere Tour durch das Erzgebirge auf dem Programm, weitgehend ohne montanistischen Hintergrund: Der Spielzeugort Seiffen, Frauenstein, Silbermann – Museum. Ich hatte mich für das historische Vortragsprogramm entschieden, auf dem ich am 15. und 16.6. folgende Vorträge hörte: Dr. H. Pforr: „Der sächsische Silberbergbau in der Agricola – Zeit“, Jozef Vozar: „ Der Bergbau in der Slowakei im 16. Jahrhundert“, W. Arnold: Der historische Bergbau in Siebenbürgen und im Banat von der Römerzeit bis ins 18. Jahrhundert“, D. Molenda: Georgius Agricola über das polnsiche Berg- und Hüttenwesen und die Kenntnisse seiner Werke in Polen“, B. Barchanski: „Das Salzwerk in Wieliczka zur Zeit Agricolas und jetzt“, Jiri Mayer: „Der Bergbau und die Anfänge der Montanwissenschaften in den böhmischen Ländern zur Zeit Agricolas“.

Das sehr umfangreiche – in den einzelnen Seminarräumen parallel abgehaltene Programm machte es leider erforderlich, auf eine ganze Reihe interessanter historischer Vorträge zu verzichten und sich auf die besonders interessierenden zu konzentrieren. Die Entscheidung im Einzelfall fiel nicht leicht. Am Abend des 15.6. konnten wir die festliche Bergparade in Freiberg beobachten – ein großes Erlebnis !

Für Bärbel war der 16.6. ohne festes Programm, so dass sie sich der Besichtigung der Stadt Freiberg widmen konnte. Am Abend fuhr uns der Bus dann nach Dresden zu einer Aufführung der Semper – Oper mit den zwei Einaktern „Der Zwerg“ von Alexander Zemlinsky und „Der Gefangene“ von Luigi Dallapiccola. Damit endete das offizielle Programm.

Wir hatten aber nicht vor, unsere Reise bereits enden zu lassen, denn wir hatten vor, anschließend noch einige Tage nach Prag und Karlsbad zu reisen. Dafür hatten wir uns in unserem Reisebüro bereits Hotelzimmer (Prag: Hotel Diplomat, Karlsbad: Hotel Dvorak) reservieren lassen. In Prag absolvierten wir ein ausgedehntes Besichtigungsprogramm nach eigener Planung. Als Höhepunkte sind u.a. der Besuch des „Schwarzen Theaters“ und ein Orgelkonzert in der St. Kajetan – Kirche zu nennen. Ansonsten boten die Sehenswürdigkeiten der „Goldenen Stadt“ mit Altstädter Markt, Wenzelsplatz, Karlsbrücke, Kleinseite, Hradschin, Jüdischer Friedhof etc. genügend Anreize für unseren dreitägigen Aufenthalt vom 17. – 20.6. Unser Besuch in Karlsbad verfolgte einen besonderen Zweck: Bärbels Vater war 1945 in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges dort gefallen und auf dem Soldatenfriedhof bestattet. Wir waren noch nie dort gewesen, fanden aber das Grab nach einigem Suchen.

Auch Karlsbad war unbedingt eine Reise wert, auch wenn wir glücklicherweise keine Kur machen mussten.

Leider endete die Heimreise tragisch, da wir am 23.6. bei unserer Ausfahrt aus der Stadt einen Totalschaden mit unserem gerade 1 Jahr alten Mitsubishi Lancer erlitten: Der Wagen wurde zwischen einer Rasenmähmaschine und einem auffahrenden Lastwagen regelrecht zermalmt. Es war ein Wunder, dass wir unverletzt blieben und auch unser Gepäck die Karambolage leidlich unbeschadet überstand. Ich musste mich mehrere Stunden auf einer Polizeiwache aufhalten. Nach Rücksprache mit dem ADAC musste ich die Schuld auf mich nehmen und auch noch meine letzten tschechischen Kronen als Strafe abliefern. Ein deutschsprachiger tschechischer Abschleppunternehmer erlöste mich aus der Gewalt der ausgesprochen feindseligen Polizei und übernahm das Abschleppen des Wagens bis nach Hamburg in meine Werkstätte. Wir brauchten 10 Stunden und langten abends um 22.00 Uhr in Hamburg an. Glücklicherweise blieb der finanzielle Schaden bei Vollkaskoversicherung in Grenzen, aber es war ein wenig erfreuliches Ende einer Reise, die so vielversprechend begonnen hatte und uns ansonsten viele schöne Erlebnisse beschert hatte.