Hauptversammlung der GDMB: „Deutsche Rohstoff- und Metalltage“ in Fulda

Reisezeitraum
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19980319
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19980322

Aufgrund des interessanten Vortragsprogramms und der im Rahmenprogramm angebotenen Exkursionen ist es fast immer ein Muss für die Mitglieder der Vereinigung, daran teilzunehmen. Für mich stellte die Barockstadt Fulda auch ein lohnendes touristisches Ziel dar, das ich gern einmal kennen lernen wollte. Mit dem Maritim – Hotel am Schlossgarten hatte man einen sehr attraktiven Veranstaltungsort gewählt, wo ich mich nach der Anreise mit dem Auto bereits am Abend des 18.3. einquartierte.

Das Hotel stellt eine Kombination aus weltberühmtem Barock und modernem Hotelkomfort dar. Der Grund für meine frühe Anreise war einmal, am 18.3. einen Abendspaziergang in Fulda zu machen, und zum anderen, weil ich mich am 19.3. schon um 10.00 Uhr zu einer Besichtigung des Erlebnisbergwerks Merkers einzufinden hatte. Dies bedeutete von Fulda ausgehend eine Autofahrt von gut 50 km. Dabei war die ehemalige Zonengrenze an der Werra zu überqueren. Ich machte dort Pause, um einen ehemaligen Beobachtungsturm der DDR – Grenzschutztruppen zu besichtigen. Dabei führte ich ein interessantes Gespräch mit einem potentiellen Investor, der daraus eine Gaststätte errichten wollte. In Merkers traf sich eine kleine Gruppe von 10 Mitgliedern unter Leitung des früheren GDMB – Vorsitzenden Dr.-Ing. Wolfroderich Nemitz, um für rd.3 Stunden die Grubenfahrt mitzumachen, nachdem es zuvor eine Einführung in Geologie und Geschichte des ehemals größten deutschen Kalibergwerks gegeben hatte. Die ersten Kalifunde wurden 1893 erschlossen; der Schacht Kaiseroda I wurde von der 1894 gegründeten Gewerkschaft Kaiseroda in den Jahren 1895 – 1900 geteuft.

Die Grubenfahrt ist außerordentlich eindrucksvoll und umfasst insgesamt 25 Fahrkilometer über die verschiedenen Sohlen des Bergwerks (größte Teufe 502 m), das von der K + S verwahrt wird. Sie wird in einem offenen Fahrzeug durchgeführt. Man kann dabei neben dem eigentlichen Bergbaubetrieb mit seinen Maschinen und Einrichtungen u.a. auch eine Kammer sehen, in der im zweiten Weltkrieg die Gold- und Devisenreserven der Reichsbank gelagert waren.

Der unterirdische Lagerbunker (50.000 t Fassungsvermögen) mit dem weltweit größten Fördergerät „Alf“ stellt einen weiteren Höhepunkt der Befahrung dar. Als absolutes Highlight gilt die Besichtigung der „Kristallgrotte“. Das Museum des 1993 stillgelegten Bergwerkes Merkers vermittelt einen sehr guten Einblick in die Geschichte des deutschen Kalibergbaus. – Im Rahmen des Vortragsprogramms dieser HV entschied ich mich aufgrund meiner Interessenlage für die geschichtlichen Beiträge: Dipl.-Ing. H. Dietrich Gleichmann (inzwischen verstorben): „Eisen- und Stahlerzeugung im älteren Siegerländer Montanwesen“, Dipl.-Ing. Volker Dennert: „Agricolas Einfluss im Südwesten“, Dipl.-Ing. Friedrich Toussaint: „Wilhelm von Eschwege, ein deutscher Berg- und Hüttenmann in Portugal und Brasilien“, Dr.-Ing. Lutz Rolf: „Zur geschichtlichen Entwicklung der Aufbereitungs-technik“. – Die Festsitzung wurde in einem sehr schönen Rahmen im Festsaal des Maritim – Hotels durchgeführt. Den Festvortrag hielt Herr Dr. Dipl.-Chem. Klaus Bielfeldt zum Thema „Die Fundamente unseres Wohlstandes“. Anschließend wurde die Georg Agricola – Gedenkmünze an verdiente Montanisten verliehen. Die Stadt Fulda gab dann einen Empfang. Auf der Plenarsitzung sprachen Dr.-Ing. Werner Marnette (Vorstandsvorsitzender der Norddeutschen Affinerie („Ausgangssituation und zukünftige Herausforderungen der europäischen NE – Metallindustrie“), Antero Hakapää (Vice President Outokumpu Oy) über „From Ore to Metals – Outokumpu through decades“). Dr.-Ing. Dieter Henning (Vorstand RWE AG) über „Perspektiven der deutschen Braunkohle“ sowie Dr. rer. pol. Jochen Melchior (Vorstandsvorsitzender der STEAG AG) über „STEAG – ein Unternehmen im Wandel“. Die Abschlussexkursion durch die Rhön (rein touristische Veranstaltung ohne bergbauliche Thematik) am Sonntag machte ich dann nicht mehr mit.

Dennoch: Es waren genussreiche Tage.