Hatte mich die Reise nach England bereits begeistert, so stand die im September 2001 durchgeführte Reise in das „Historische Herz der französischen Schwerindustrie“ dieser in keiner Weise nach.
Ich wählte eine Anreise mit dem Zug, der mich zunächst nach Basel führte, wo ich dann in einen Anschlusszug der C.F.F. umsteigen musste. Die Fahrt führte zu der Kleinstadt Lure im Département Franche Comté, wo meine Mitreisenden und ich mit einem Minibus abgeholt wurden. Zusammen mit den mit dem Wagen angereisten Mitgliedern des Geschichtsausschusses (insgesamt beteiligten sich 34 Personen an der Exkursion) trafen wir uns auf einem Campingplatz in Montagney und besichtigten wir als erstes einen Hochofenkomplex aus dem 16. Jahrhundert und hörten eine Vortrag von Dr. Pierre R. Sonet über das „Eisenhüttenwesen in der Franche Comté“. Die Übernachtung erfolgte im Air Hotel in Vesoul. Von dort aus starteten wir mit dem Bus nach Burgund, wo wir zunächst die Abtei Fontenay (1118 als zweitältestes Kloster der Zisternienser gegründet) besuchten. Die Erbauer haben hier die strengen Vorstellungen des Bernard von Clairvaux (Askese, harte Arbeit, Verzicht auf Komfort) verwirklicht. Die ab 1139 erbaute Abteikirche ist völlig schmucklos und wohl gerade deshalb so sehr beeindruckend. Unser Interesse richtete sich natürlich der Thematik der Reise entsprechend vor allem auf die Schmiede (12. Jh.), in die Mönche (vorwiegend zum Zwecke der Eigenversorgung) auf Basis der örtlichen Eisenerzvorkommen Eisenerzeugnisse fertigten. Die 1906 restaurierten Klosteranlagen (auch heute noch im Privatbesitz) beherbergten zeitweise auch eine Papierfabrik. Von der Abtei ging es weiter am Canal de Bourgogne (1832; zwischen Seine und Saone) zur Grande Forge de Buffon, einem hervorragend erhaltenen und restaurierten integrierten Hüttenwerk, das zwischen 1768 und 1772 errichtet wurde die Energieversorgung erfolgte durch Wasserkraft, der Holzkohle – Hochofen war in den Jahren 1776 – 1866 in Betrieb. Unter fachkundiger Führung von Dr. Sonet folgte als nächstes Besichtigungsobjekt der Hochofen in Ampilly-le-Sec, der ein hervorragendes Zeugnis der letzten Generation der Holzkohle – Hochöfen darstellt, an einem Seitenarm der oberen Seine gelegen. Die Betriebszeit reichte von 1829 – 1861.
Die anschließende Fahrt an unseren heutigen Zielort Le Creusot gestaltete sich sehr genussreich, da sie uns durch die berühmten Weinlagen Burgunds führte. Schon das von uns bezogene Hotel „La Petite Verrerie“ (Teil einer von Marie Antoinette begründeten Glasfabrik und späterer Wohnsitz der berühmten Industriellenfamilie Schneider) versprach uns einen schönen Aufenthalt in dieser Stadt. In der Verrerie fand auch das Vortragsprogramm des folgenden Tages statt, die uns über das Eisenhüttenwesen in Burgund vom Ancien Régime bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, den Aufstieg und Niedergang der schwerindustriellen Region um Le Creusot und Monceau – les – Mines sowie die Geschichte der Industriellenfamilie Schneider unterrichtete.
Dass sich auch Frankreich zunehmend um die Erhaltung seiner industriellen Denkmäler bemüht, wurde uns in einem weiteren Vortrag deutlich gemacht. In Le Creusot befindet sich bis heute ein Werk von Usinor – Sacilor (heute: Arcelaria), das wir besichtigten. Eine Reihe von früher genutzten Industriegebäuden ist heute einer anderen Verwendung zugeführt. Der ehemalige Steinkoh-lenbergbau im nahe gelegenen Monceau – les – Mines mit dem heute als Museum umgestalteten Bergwerk Blanzy stand anschließend auf dem Programm.
Den Abend verbrachten wir in der traditionsreichen Weinstadt Beaune, wo wir in der berühmten Kellerei „Le Patriarche Père et Fils“ das Abendessen einnahmen, das natürlich mit einer Weinprobe verbunden war.. Natürlich ließen wir es uns auch nicht nehmen, am letzten Tag den Gesamtkomplex der ehemaligen Glasfabrik (Verrerie) in Le Creusot zu besichtigen. Dann bekamen wir noch einen weiteren Vortrag zum hochinteressanten Thema: „Das Metall, die Maschine und der Mensch“ zu hören, der uns die Technikgeschichte der Firma Schneider vermittelte. Der abschließende Abend brachte uns mit einem ungewöhnlichen Abendessen in einer ehemals dem Schlackentransport dienenden Schmalspurbahn einen schönen Schlusspunkt einer lehrreichen Reise. Vom Gipfel der Schlackenhalde bot sich ein schöner Blick auf das nächtliche Le Creusot.
Dann hieß es bereits wieder Abschied nehmen und die Erkenntnis reifen, dass man eigentlich das schöne Burgund noch etwas ausführlicher kennen lernen müsste, hat es doch vom kulturellen Gesichtspunkt her noch so viel zu bieten. Unsere Programmpunkte konnten wegen der besonderen Thematik der Reise nur einen Teilaspekt berücksichtigen. Die Rückreise erfolgte wieder zum Bahnhof Lure, von wo aus auf dem gleichen Wege wieder in die Heimat ging.