Mexiko

Reisezeitraum
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19931015
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19931031

Kaum aus dem Nordschwarzwald zurückgekommen, stand die Sondergruppenreise der GDMB auf dem Programm, die sich als ein besonderer Höhepunkt in der Reisetätigkeit von „Montanmueller“ erweisen sollte. Die von Karawane – Studienreisen organisierte Reise war so konzipiert, dass neben dem unumgänglichen montanistischen Besichtigungsprogramm auch die touristische Erkundung dieses hochinteressanten Landes nicht zu kurz kommen sollte. Mit 20 Teilnehmern (innen) war die Gruppe überschaubar. Seitens der GDMB wurde die Exkursion von Dipl.-Ing. Herbert Aly, dem langjährigen verdienstvollen Geschäftsführer, geleitet. Karawane – Reisen hatte Frau Elsa Rose – die von ihrem Ehemann Dr. Bernhard Rose begleitet wurde – sowie „Dona Helga“ Dobler (eine in Cuernavaca ansässige gebürtige Deutsche) als Reiseleitung aufgeboten.

Meine Frau Bärbel – die auch zu dieser Reise angemeldet war – musste in letzter Minute absagen, da sie wieder ihr altes Leiden (die Migräne) gepackt hatte und die Ärztin ihr Reiseverbot erteilte.

Die Reise begann auch in anderer Hinsicht wenig verheißungsvoll, da mein ICE, der mich nach Frankfurt zum Treffpunkt der Gruppe bringen sollte, wegen eines Stellwerksschadens erst verspätet abfuhr. Da ich in Frankfurt aber eine Übernachtung eingeplant hatte, blieb diese Verzögerung ohne ernsthaftere Folgen. Nun stand der Gruppe eine Flugzeit von insgesamt 13 Stunden bevor (mit 5 Stunden Aufenthalt in New York). Der „Jet-Lag“ beträgt 7 Stunden. Abends um 21.30 Uhr Ortszeit langten wir in Mexico D.F. an, wo wir viermal im Hotel Stauffer President am Chapultepecpark nächtigen werden. Erste Besichtigungen erfolgen am 17.10. in der Hauptstadt (Zocalo, Palacio Nacional, Kathedrale, schwimmende Gärten von Xochimilco). Hier konnte ich auf meine profunden Kenntnisse mexikanischer Mariachi – Lieder zurückgreifen und übernahm für die Gruppe die Musikbestellung.

Der 18.10. stand im Zeichen eines Ausfluges nach Teotihuacan. Auf der Fahrt dorthin besichtigten wir die Plaza de las Tres Culturas, die Basilica de Nuestra Senora de Guadaloupe und ein Kunstzentrum. Am Abend des gleich Tages besuchen wir die Zona Rosa, das historische Zentrum von Mexico D.F., wobei ich die Fahrkartenbesorgung für die U – Bahn übernahm. Der nächste Tag brachte uns den Einstieg in die bunte Geschichte Mexicos mit dem Besuch des Anthropologischen Museums, der dafür ein absolutes Muss ist. Am Nachmittag besuchen wir die Universidad Nacional, wo uns Prof. Ornellas (ein Absolvent der Bergakademie Clausthal, der für die GDMB das Montanprogramm zusammengestellt hat) in die vorgesehenen einschlägigen Besichtigungen einführte. Anschließend mussten wir uns schon beeilen, um den Inlandsflug nach Hermosillo in der Nordprovinz Hermosillo zu erwischen. Bei dem rasanten Verkehr in der Stadt war das gar nicht so einfach, aber wir schafften es.

Nach einem kurzen Schlaf ging es am kommenden Morgen für die Herren 350 km durch die Sonora – Wüste (die Damen fuhren nach Bahia Kino am Golf von Baja California). Unser Ziel war die erste Montanbesichtigung der Kupfermine Cananea nahe der Grenze zu den USA (zu den führenden 10 Kupferminen der Welt zählend). Trotz linguistischer Probleme (wenige von uns sprechen gutes Spanisch) gestalteten sich die Begehung der umfangreichen Anlagen (Kupfertagebau, Laugung, Hütte) sehr eindrucksvoll.

Am nächsten Tag mussten wir die Rückfahrt auf dem gleichen Wege bewältigen (die Wüste zeigte jahreszeitbedingt ein eher grünes, freundliches Bild), dann ging es zurück nach Mexico D.F. Dort konnten wir am Folgetag ausgiebig den schönen Chapultepecpark (das grüne Herz der Stadt mit dem Schloss des Kaisers Maximilian) besichtigen. Am Abend gönnte ich mir mein eigenes Programm: In Begleitung von Frau Dr. Czowalla fuhr ich im Stadttaxi (ein teilweise offener VW – Käfer, made in Mexico) zur Plaza Garibaldi, wo sich allabendlich die Mariachi – Kapellen treffen. Wir genossen stundenlang die Musik …

Am kommenden Morgen ging es bereits weiter mit einer Inlandsmaschine auf die Halbinsel Yucatan in deren Hauptstadt Merida (mit Besichtigung des Popocatepetl aus dem Flugzeugfenster). Von dort ging es 150 km durch das Land (mit zwischenzeitlicher Besichtigung einer Sisalfabrik) nach Chichen Itza, der berühmten Maja – Ausgrabungsstätte. Dank einer klugen Planung von „Dona Helga“ übernachteten wir dort und konnten zweimal nahezu ungestört von den Touristenscharen aus Cancun Chichen Itza besichtigen, abends genossen wir eine „Son et lumière“. Auf der zweiten Besichtigung erwischten wir den einzigen (allerdings sehr heftigen) Tropenregen. Auf der Rückreise hatten wir noch ausgiebig Gelegenheit, die „Ciudad Blanca“ Merida zu besichtigen. Der ereignisreiche Tag schloss mit einem opulenten Abendessen in einem stimmungsvollen Lokal.

Nach dem Rückflug nahm uns in Mexico D.F. ein Reisebus auf, der uns über einen 3.000 mm hohen Pass in die Stadt Puebla brachte. Wir besichtigten diese schöne Kolonialstadt (u.a. Sitz von VW de Mexico) und bereiteten uns auf die nächste Montanbesichtigung im HYLSA – Stahlwerk nahe der Stadt vor. Da ich die Technik der Stahlerzeugung im Wege der Direktreduzierung infolge des Umstandes, dass in Hamburg ein Werk mit gleicher Technik arbeitet, recht gut kenne, durfte ich für die Zeitschrift „Erzmetall“ der GDMB einen Bericht über dieses Werk verfassen.

Auf der Weiterfahrt erwartete uns mit dem Besuch der Hacienda Cocoyoc im Bundesstaat Morelos aus der Zeit des Hernan Cortez ein weiterer Höhepunkt unserer Reise, der sich noch steigerte, als wir gegen Abend die Silberstadt Taxco erreichten.

Am nächsten Morgen ging es bereits sehr früh aus den Federn. Wir fuhren in die Berge zur noch in Betrieb befindlichen Silbergrube „El Solar“, deren Bergbauzeit bereits mit der Anlegung des Socavon de Rey (Königsstollen) in der Zeit nach der Eroberung Mexicos durch Hernán Cortez im 16. Jahrhundert begann und mit den französischen Brüdern de la Borda im 18. Jahrhundert ihre Blütezeit erlebte. Wir fuhren dort in eine Teufe von 450 m ein. Vorher erfuhren wir noch eine umfangreiche Einführung in die ruhmreiche Geschichte dieser Stadt und in die aktuellen Abbauverhältnisse. Der Abend in unserem Hotel Posada de la Mision war sehr genussreich und erholsam, auch der sich anschließende Rundgang in der beleuchteten Stadt mit der von den Brüdern de la Borda gestifteten mächtigen Kathedrale Santa Prisca.

Die Begeisterung für unser Reiseland erreichte mit der am Abend zwecks Übernachtung angesteuerten Hacienda Vista Hermosa einen weiteren Höhepunkt. Diese ehemalige (seit der Zeit der Eroberung Mexicos bestehende) Zuckerfabrik wurde vor rd. 40 Jahren zu einem Luxushotel umgestaltet. Nach einem erholsamen Tag am Pool – der von einer interessanten Besichtigung der Ausgrabungsstätte Xochicalco unterbrochen wurde – neigte sich unsere Reise bereits dem Ende zu. Bereits um 4.00 Uhr in der Frühe holte uns der Bus am 31.10. ab, um uns zum Flugzeug in Mexico D.F. zu bringen.

Über New York ging es zurück nach Frankfurt, mit dem ICE dann in die Heimat nach Hamburg. Fazit: Keine reine Montanreise, aber durch das Kennenlernen eines hochinteressanten Landes ein unvergessliches Erlebnis !

Zur Erinnerung diese Exkursion erhielt jeder Teilnehmer von mir die Farbkopie einer mexikanischen Bergbauaktie (Urkunden aus diesem Land zeichnen sich durch eine ausgeprägte Dekorativität aus).