Auch die 36. Tagung des Geschichtsausschusses in Pforzheim hatte mit rd. 90 Teilnehmern einen sehr guten Zuspruch. Allmählich begann ich mich in diesem Kreis durch zahlreiche Gespräche heimisch zu fühlen. Wie auch im Falle Stolberg wurde ich von meiner Ehefrau begleitet (ihr Interesse an Bergbau und Hüttenwesen ließ später nach). – Die Stadt Pforzheim, ihre Umgebung und ihre Geschichte wurden uns auf dem traditionellen Begrüßungsabend im Ratskeller durch Herrn Oberstudiendirektor Mürle nähergebracht.
Pforzheim ist eine alte Stadt (bereits 90 n.Chr. wurde hier eine römische Siedlung errichtet), biete heute aber ein modernes Bild, da der schwere Luftangriff vom 23.2.1945 schwerste Zerstörungen anrichtete und 17.000 Menschen das Leben kostete. 1645 hatte General Tilly im 30-jährigen Krieg Pforzheim verwüstet, 1689 und 1789 ereigneten sich zwei Großbrände. Die eisenverarbeitende Industrie entwickelte sich dort im 17. Jh. – Am Vormittag des 8.10. fand das Vortragsprogramm statt: Dr. R. Renk:: „Geologie im Nordschwarzwald“, Frau Dr. A. Westermann: „Aspekte der Vorderösterreichischen Montanwirtschaft im 16. Jahrhundert“. 1398 waren die Nutzungsrechte am Silberbergbau im Schwarzwald an das Haus Habsburg gefallen. 1517 wurde die Bergordnung von Kaiser Maximilian erlassen. Auch die Silbergruben im Oberelsass und im Sundgau gehörten bergrechtlich zu Österreich (Revierverwaltung in Todtnau). Die im 16. Jh. bedeutendsten Bergreviere lagen im Weiler- und Lebertal. – Dr. E. Schallmeier befasste sich mit „Eisenerzbergbau und Eisenverarbeitung im Raum Pforzheim in keltischer und römischer Zeit“, Frau Bärbel Rudin stellte ihren Vortrag unter das Motto: „Von der frühen Eisenindustrie bis zu dem Pforzheimer Unternehmer Benckiser“. Dieses zeitweise bedeutende Unternehmen basierte zunächst (17./18. Jh.) auf dem in der Umgebung geförderten Eisenerz, das aber mit rd. 30 % Fe-Inhalt sehr schlecht war, so dass man fremdbezogene Masseln heranziehen musste. Benckiser baute u.a. mehrere Brücken über Neckar, Main und Rhein und lieferte Eisenkonstruktionen. 1910 wurde nach 5 Generationen das Unternehmen verkauft. Die Familie Benckiser war seit 1758 auch Eigentümerin des Bergwerks Frischglück“ in Neuenbürg, das heute als Besucher-bergwerk erhalten ist und das wir am Nachmittag des 8.10. besichtigten. 1797 übernahm die württembergische Regierung die Erzgruben („Königlich Württembergische Eisenbergwerke zu Neuenbürg“). Das manganhaltige Eisenerz gelangte 1804 – 1865 zum Hüttenwerk Friedrichstal bei Freudenstadt, wo es zu Stahl verarbeitet wurde. Daraus wurden als wichtigstes Produkt Sensen hergestellt. 1868 kam der Bergbau aufgrund der Konkurrenz billigerer und eisenreicherer Erze zum Erliegen. Das Revier hat bescheidene 100.000 t Eisenerz gefördert. Am Abend fuhren wir zur Winzergenossenschaft Keltern – Ellmendingen.
Die Tagesexkursion am 9.10. führte uns zunächst zum alten Erztransportweg in das Friedrichstal, dann zur Ruine der Burg Königswart (dort lag früher eine Eisenerzgrube). Im Badhotel Teinach wurde zu Mittag gegessen. Weiter ging es nach Neubulach. Hier befindet sich das Besucherbergwerk „Hella – Glück – Stollen“. Dieser Silbererz führende Gang wurde wahrscheinlich schon im 13./14. Jh. angefahren. 1608 kam der Bergbau zum Erliegen. Danach wurden noch mehrmals Versuche unternommen, das Bergwerk wieder aufleben zu lassen (zuletzt nach dem 1. Weltkrieg von der Gewerkschaft Hella – Glück“). Seit 1969 wurde von Freiwilligen der Stollen wieder aufgewältigt. Über Calw (Geburtsort des Verfassers der berühmten „Bergbüchleins“ Ulrich Rüland) und das Kloster Hirsau ging es zurück nach Pforzheim. Die Außenanlagen der Flussspatgrube Käfersteige (letztes aktives Bergwerk der Region) konnten zwischendurch noch besichtigt werden. Die Tagung klang mit einem berg- und hüttenmännischen Abend im Parkhotel Pforzheim aus.
Besonders herauszuheben ist das Engagement von Bergrat Volker Dennert vom Oberbergamt Freiburg in bezug auf diese Reise. – Neben dem interessanten Fachprogramm war die Bereisung des Nordschwarzwaldes natürlich auch landschaftlich ein Erlebnis. Einen Vortrag habe ich auf dieser Reise allerdings nicht halten können, da in meiner Sammlung keine Stücke aus dieser Region vorhanden waren (und auch immer noch nicht sind).