Stolberg/Harz mit dem Thema „Zur Geschichte des Mansfelder Landes“

Reisezeitraum
|
19920917
-
19920919

Nach der deutschen Vereinigung – die am 9.11.1989 mit der Öffnung der Berliner Mauer begann und mit dem 1.10.1990 endgültig vollzogen wurde – konnte sich der Fokus des Geschichtsausschusses der GDMB stärker auf die neuen Bundesländer ausrichten, auf deren Besuch lange und schmerzhaft verzichtet werden musste. Die Veranstaltung in Stolberg im Ostharz fand daher mit rd. 90 Teilnehmern (davon erfreulich viele bereits aus der ehemaligen DDR) ein äußerst lebhaftes Interesse. Das pittoreske Städtchen präsentierte sich mit gut erhaltener Fachwerkarchitektur; die aufgerissenen Straßen signalisierten die neue Zeit mit einer Erdgasversorgung. Überraschend war die sehr gute Unterkunft; das Hotel war bereits auf Weststandard „umgerüstet“ worden. Der Ort war gewählt worden, weil in der näheren Umgebung des Zielgebietes, nämlich des Mansfelder Landes, noch keine entsprechenden Tagungshotels gefunden werden konnten.

Als Cheforganisator der Tagung konnte mit Dr. Günter Jankowski einer der besten Kenner der Mansfelder Bergbaugeschichte gewonnen werden, der gleich am Beginn der Tagung die Teilnehmer mit einem vorzüglichen Diavortrag in das Programm einführte. Am Tag darauf gehörte er mit dem Thema „Die Betriebsperioden des Mansfelder Kupferbergbaus“ erneut zu den Referenten. Das Vortragsprogramm enthielt daneben noch weitere hochinteressante Themen: Dr.-Ing. Kurt Steenbuck (der auch ein umfangreiches Buch zu diesem Thema veröffentlicht hat) stellte uns die „Ilmenauer Gewerkschaft von 1783 und ihre Berliner Gewerken im Strom der Zeit“ vor (Anm. C.M.: Die Ilmenauer Gewerkschaft unterstand der Leitung von Johann Wolfgang von Goethe, markierte indessen einen der wenigen Misserfolge in der Lebensgeschichte dieses größten deutschen Dichters). Weitere Referate umfassten die Themen „Mansfelder Hüttengeschichte“ (Anm. C.M.: Hier spielte auch der Vater Martin Luthers eine Rolle), „Industriearchäologische Untersuchungen im Sangerhäuser Kupferschieferbezirk“, „Die Konzernentwicklung im Kupferschieferbergbau“ sowie „Gedanken über Thomas Müntzer“ (Anm. C.M.: Er ist in Stolberg geboren; sein Denkmal steht in der Ortsmitte). Auch die Exkursion am 18.9. gestaltete sich außerordentlich eindrucksvoll: In Wettelrode wurde das Bergbaumuseum am Röhrigschacht besucht, ferner das Mansfeld – Museum in Hettstedt, das Geburts- und Sterbehaus Martin Luthers sowie die Hautverwaltung (Gewerkenhaus) der ehemaligen Mansfeld AG. Besonders interessant war die Busfahrt durch das Mansfelder Land mit seiner imposanten Haldenlandschaft.

Ich selbst hatte zu der Tagung einen Teil meiner Sammlung mit historischen Finanzdokumenten des deutschen Berg- und Hüttenwesens nach Stolberg mitgebracht. Ich konnte sie dort nur einem kleinen Kreis besonders Interessierter präsentieren, jedoch bildete diese Veranstaltung den Beginn meiner Tradition, im Rahmen des GDMB – Geschichtsausschusses eigene Referate zu halten.