Vyhne (slowakisches Erzgebirge) mit dem Thema: „Bergbau im slowakischen Erzgebirge“

Reisezeitraum
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19961016
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19961020

Die 39. Tagung des GDMB – Geschichtsausschusses war ein ganz besonderes Erlebnis, führte sie doch in das Slowakische Erzgebirge, was eine lange Anfahrt erforderlich machte. Meine Frau und ich trafen nach einer IC – Fahrt in Würzburg auf die 90 Teilnehmer starke Gruppe. Dort stiegen wir in den aus dem Ruhrgebiet kommenden Zug um, der uns bis Wien – Westbahnhof führte. Dort stand uns noch eine lange und recht anstrengende Fahrt mit dem Reisebus über Pressburg (Bratislava) in die Bergbauregion um die alten Bergstädte Kremnitz (Kremnica), Schemnitz (Banska Stiavnica) und Neusohl (Banska Bistrica) bevor. Dort waren wir in Vyhne in einem erst vor zwei Jahren neu errichteten Hotel untergebracht. Um die Gestaltung des Programms hatte sich insbesondere Dr. Jozef Vozar – ein langjähriger Freund von Herrn Prof. Wild – verdient gemacht. Dankbar registrierten die Teilnehmer, dass nach dem Ende des Kommunismus auch wieder Besichtigungsfahrten in ein Land wie der Slowakei möglich sind, wo deutsche Bergleute schon im 11. und 12. Jahrhundert einen blühenden Bergbau begründet hatten. Dr. Vozar übernahm es denn auch, in seinem einführenden Vortrag die Region vorzustellen.

In der Region wurden umfangreiche Lagerstätten von Gold-, Silber-, Eisen- und Kupfererzen gefunden (Kremnitz: vorwiegend Gold, Schemnitz: Silber und Neusohl: Kupfer). Die sich anschließenden Vorträge vertieften dann die Erkenntnisse über diese Region: Dipl.-Ing. Oliver Finka befasste sich mit dem Bergbau in Kremnitz, Dipl.-Ing. Milan Hock gab einen Überblick über die Erzaufbereitung im mittelslowakischen Bergbaugebiet, und Dipl.-Ing. Gejza Chlapkovic gab einen Überblick über die Verhüttung von Gold- und Silbererzen im mittelslowakischen Bergbaugebiet.

Die alte Bergstadt Kremnitz wurde dann am Folgetag besichtigt, wobei der Besuch der seit 668 Jahren ununterbrochen in Betrieb befindlichen Münze einen Höhepunkt bildete. Die Gestaltung des Abends stellte mich vor eine ziemlich anspruchsvolle Herausforderung, indem mir die Aufgabe zufiel, das „Montanwesen in der k.u.k. Monarchie und ihrer Nachfolgestaaten im Spiegel historischer Finanzdokumente“ vorzustellen. Die Vorbereitungen zu diesem Dia – Vortrag hatten es erforderlich gemacht, dass ich mir Sprachlexika der zahlreichen Sprachen der Monarchie (Tschechisch, Serbokroatisch, Ungarisch, Rumänisch) zu beschaffen hatte, um die Urkunden entsprechend kommentieren zu können. Hier zahlte sich aus, dass ich mich von Anbeginn meiner Sammlertätigkeit – die etwa auf das Jahr 1971 zu datieren ist – nicht nur auf deutsche Montanpapiere ausgerichtet hatte, sondern bewusst weltweit sammelte.

Der Folgetag stand im Zeichen der Exkursion in das Bergrevier von Neusohl (Banska Bistrica), wo wir wiederum Vorträge der Herren Dipl.-Ing. Ladislav Sombathy („Der Bergbau in Neusohl“) und Dr. Marion Skladany („Die Verhüttung der Kupfererze“ sowie „Die Thurzo – Fuggersche Unternehmensgesellschaft“) sowie Dr. Jozef Vozar („Die Nutzung von Holz und Wasser im Berg- und Hüttenwesen im Revier von Neusohl“ geboten bekamen.

Die Besichtigungen umfassten neben der Stadt Neusohl mit ihrem interessanten Stadtbild das Kupferabbaugebiet Herrengrund. Das sehr umfangreiche Programm dieser Reise wurde mit einer Exkursion in die Bergstadt Schemnitz (Banska Stiavnica) fortgesetzt, wo wir ebenfalls einige Vorträge zu hören bekamen: Dipl.-Ing. Ladislav Sombathy erläuterte die „Geologie des Erzreviers Schemnitz“, Dr. Jozef Labuda schilderte die Anfänge des Bergbaus aus archäologischer Sicht“, Dr. Jan Novak befasste sich mit der „Wasserwirtschaft im Erzrevier von Schemnitz“, Dr Jozef Vozar schilderte die Entstehung der Bergakademie in Schemnitz (neben Freiberg eine der ältesten der Welt). Vom gleichen Autor waren die Ausführungen zur „Ersten Anwendung der Sprengarbeit im Bergbau“ (vom Slowakischen Erzgebirge gingen zahlreiche Innovationen im Bergbau aus), Ing. Ivan Hercko untersuchte die „Kontakte der slowakischen und deutschen Gruben und Montanisten“, und schließlich kam auch noch der rumänische Kollege Prof. Dr. Liviu Sofonea aus Brasov (Kronstadt) in Siebenbürgen mit einem Vortrag zum „Bergbau im Karpatenraum, insbesondere Siebenbürgen) zum Zuge. Einer Einladung dieses Referenten nach Rumänien ist die GDMB indessen bislang nicht gefolgt.

Anders war es in bezug auf einige auf der Tagung anwesende polnische Gäste, die den Vorschlag machten, dem oberschlesischen Industrierevier einen Besuch abzustatten. Dieser Vorschlag wurde dann im Jahre 1999 tatsächlich realisiert.

Die Besichtigung der Stadt Schemnitz war dann aus bergbauhistorischer Sicht äußerst eindrucksvoll. Hervorzuheben sind hier insbesondere das Besucherbergwerk Bartholomäus – Stollen, das Slowakische bergbauliche Zentralarchiv und der Rundgang durch die noch mittelalterlich geprägte Stadt mit Rathaus, Pfarrkirche, Burgareal und dem Gebäude der 1918 geschlossenen Bergakademie. Die fünf Tage im Slowakischen Erzgebirge zählten ganz zweifellos zu den Höhepunkten in meiner „Montanreisetätigkeit“.