Zypern

Reisezeitraum
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20000920
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20000930

Die angenehmen Erfahrungen mit der Auslandsgesellschaft NRW und Herrn Prof. Rutz veranlassten mich bereits ein gutes Jahr später, dort erneut zu buchen. Die Reise nach Zypern bildete wiederum einen Höhepunkt meiner montanhistorischen Reisen.

Meine Frau machte diesmal nicht mehr mit, dafür tat ich mich mit meinem GDMB – Kollegen Dr. Helmold v. Plessen zusammen, mit dem ich zusammen ein Doppelzimmer in unserem Standort Pano Platres im Troodos – Gebirge bezog (übrigens: Wir haben uns ausgezeichnet vertragen). Diese Reise profitierte besonders davon, dass sich auf Zypern eine Gruppe von 19 Teilnehmern zusammenfand, die sich zum großen Teil durch ausgeprägte Kompetenz auszeichnete. Man traf sich am Flughafen in Frankfurt, um dann mit Cyprus Airways nach Paphos zu fliegen. Ein Privatbus brachte uns an unseren Zielort, 1.100 m hoch gelegen („das grüne Herz Zyperns“).

Da bei den Reisen mit Herrn Prof. Rutz eine umfassende Information über sämtliche Aspekte des Zielgebietes angeboten wird, führte unser erster Weg in die (zwischen Griechen und Türken geteilte) Hauptstadt Nikosia. Eine Vertreterin des Presse- und Informationsamtes der Regierung hielt uns einen umfassenden Vortrag über Geschichte und Kultur des Landes sowie insbesondere die Teilung der Insel und die damit verbundenen Probleme. Daran schloss sich eine ausgiebige Besichtigung des griechischen Teils der Stadt an (Faneomeni – Kirche, die Omerye – Moschee, Erzbischöflicher Palast, Paphos – Tor etc.). Von höchsten Stock eines Wohnhauses konnten wir einen weiten Blick über die Stadt genießen, der auch den nördlichen (türkisch besetzten) Teil umfasste. Am nächsten Tag stiegen wir in die Montangeschichte der Insel ein (Kypros: griechisch = Kupfer).

Unsere erste Station war der Hafen Vasilikos, ehemals Erzverladungsort des Bergbaugebietes von Kalavasos, das mit dem Hafen durch eine Schmalspurbahn verbunden war. Der Ort selbst ist als ehemalige Bergmannssiedlung noch erkennbar. Der von der Hellenic Mining Co. betriebene Bergbau (Förderung 1965: 65.000 t aufbereitetes Erz mit 1,5 – 3,0 % Cu) wurde kurz darauf stillgelegt. Ganz in der Nähe befindet sich ein antiker Abbau von Kupfererzen, von dem noch die Pinge und zahlreiche Schlackenhalden zeugten (sogar Rest eines von den Römern angelegten Stollens). Älteste Zeugnisse der Besiedlung Zyperns (ca. 7.000 v.Chr.) befinden sich in Choirokoitia. Einige Gebäude hat man dort wieder hergestellt. Die Kultur kam an diesem Tage mit dem Besuch der markant im östlichen Troodos – Gebirge liegende Kloster Stavrovouni nicht zu kurz. Schon dieser erste Tag gab am Abend im Hotel Gelegenheit zu angeregten Diskussionen.

Am folgenden Tag stand im Zeichen einer Bergwanderung (Überquerung des Troodos – Gebirges mit dem 1.950 m hohen Mount Olympos). Diese Strapaze traute ich mir noch nicht zu, so dass ich mit Herrn Dipl.-Kfm. Naujoks nach den Kaledonischen Wasserfällen (die auch im Herbst noch Wasser führten) von der übrigen Gruppe absentierte, um den herrlichen Sonnentag etwas entspannter zu gestalten. Dass ich daran recht getan hatte, erfuhr ich am späten Abend, als die Wanderer endlich ankamen (sie hatten den bestellten Bus verpasst, so dass die Wanderung noch viel länger ausfiel als geplant). Auf der Wanderung wurde die Chromit – Lagerstätte Kokkinorotsos besucht, die sich bis zu einer Höhe von 1.700 m erstreckt. Die meisten Anlagen des ehemaligen Bergwerks (Schacht, Haspelgerüst, Fördermaschine, Teile der Stromerzeugung, ein offenes Stollen-mundloch, Betriebsgebäude) sind noch erhalten. Meine Kollegen ließen mich an ihren Erkenntnissen durch Berichte, Fotos und Erzproben an ihren Erlebnissen teilhaben.

Der Gruppe wurde am nächsten Tag Ruhe gegönnt. Trotz sommerlicher Wärme wanderte ich mit auf den Südhängen des Gebirges rd. 20 km zu dem verlassenen Kloster Trooditissa.

Dann ging es am 25.9. weiter mit dem Montanprogramm mit dem Besuch der ehemaligen Gruben Kokkinopezoula und Kokkinoyia (beide bei Mitsero gelegen). Die letztgenannte besitzt einen antiken Teil, der etwa zwischen dem 7. und 3. Jh. v.Chr. betrieben wurde, jedoch auch später noch zeitweise ausgebeutet worden ist. Vorhanden ist dort noch eine 1 km lange Pinge, ferner antike Kupferschlacke aus der vor Ort vorgenommenen Verhüttung. Kokkinopezoula ist eine moderne Mine, die erst Anfang der 80-Jahre geschlossen wurde. Es handelt sich um einen Tiefbau mit 120 m Teufe. Die Anlagen präsentierten sich noch in leidlich guter Erhaltung. In Kouloupakhis hatten wir Gelegenheit, einen weiteren Verhüttungsplatz aus der Zeit des 3. – 7. Jh. n.Chr.zu sehen. In der Umgebung des Ortes Mitsero befinden sich 200.000 t Schlacke, in ganz Zypern nicht weniger als 4 Mill. t. Unsere archäologisch geschulte Führerin präsentierte uns danach noch Ausgrabungsfunde von Verhüttungsplätzen aus der Bronzezeit (1.600 v.Chr.).

Als Kontrastprogramm folgte an diesem Tage noch der Besuch des schönen Klosters Agios Irakleidios (15. – 18. Jh.). Der 26.9. bot uns mit dem Besuch des Bergwerksbetriebes der Hellenic Copper Mines in Skouriotissa einen Höhepunkt der Reise. Die hochaufragende, wie ein Sack in türkisches Gebiet hineinragende Lagerstätte ist das letzte noch in Betrieb befindliche Kupferbergwerk der Insel. Die Ausbeutung des Reicherzkörpers erfolgte von 1920 – 1974 durch die US – Gesellschaft Cyprus Mines. Ab 1976 begann der Laugungsprozeß mit anschließender Zementation mit Eisen durch die Hellenic Copper Mines Ltd. Bei einem Kupfergehalt der Erze von nur 0,5 % werden in Skouriotissa jährlich nur 6 – 8.000 t Reinkupfer gewonnen, das im Wege der Elektrolyse durch Kathoden erzeugt wird. Auf dem benachbarten Platz, auf dem die Erze in der Antike verhüttet worden sind, erreicht die Schlackenhalde eine Höhe von 8 m. Auf der Rückfahrt wurden in Galata ein Halt eingelegt, um die beiden aus den Jahren 1502 und 1514 stammenden Kirchen zu besichtigen. Auch konnten wir eine alte Karawanserei Kaliana Khan bei Temvira besichtigen, die um 1800 gegründet wurde und heute verlassen ist. Sie diente dazu, den Reisenden über das Troodos – Gebirge Herberge zu bieten. Klar, dass bei der „Nachttafel“ wieder ausgiebig diskutiert wurde.

Es folgte am 27.9. wieder ein Kulturtag mit dem Besuch der Ausgrabungsstätte Palaepaphos und dem Aphrodite – Heiligtum bei Kouklia (dort, wo sie der Sage nach dem Meer entstiegen sein soll). Interessant war daneben auch die Besichtigung einer mittelalterlichen Zuckerrohrmühle (14. – 16. Jh.). Die Stadt Paphos bot uns noch die gut erhaltenen Mosaiken aus römischer Zeit. Was mich auf dieser Exkursion besonders beeindruckte: Der Besuch des verlassenen (ehemals von Türken, jetzt von einem einzigen griechisch – zypriotischen Ziegenhirten bewohnten) Ortes Souskiou. Hier wurde die tragische Teilung der Insel besonders deutlich.

Am Folgetag (28.9.) wurde der Asbestbergbau in Pano Amiantos. Der große Tagebau wurde 1904 aufgeschlossen (0,9 – 1,0% Asbestinhalt im Gestein). Dieses wurde gesprengt und an mehreren Betriebspunkten sortiert und gebrochen. Von dort gelangte das Material über Förderbänder zur Aufbereitung, um gemahlen zu werden. Das Mahlgut wurde über Vibrationssiebe und durch Gravitationssichtung in einem 9-stufigen Prozess aufgetrennt und der Asbest angereichert. Die Produktion betrug in den besten Jahren 30.000 t p.a., zuletzt (1988) waren es noch 15.000 t. Wegen der Krebsgefährdung durch den kurzfaserigen Asbest wird dieses Material heute nicht mehr verwendet, und der Tagesbau Pano Amiantos befindet sich seit 1995 im Rückbau, der 15 Jahre dauern soll. Dafür müssen 300 Mill. cbm bewegt werden; danach ist eine Aufforstung vorgesehen. Die von uns besichtigten Betriebsgebäude waren noch gut erhalten; ich trug ein feuchtes Taschentuch vor dem Mund !. Anschließend blieb noch Zeit, um eine mittelalterliche Kirche (Agios Nikolaos tis Stegis = „der heilige Nikolaus mit dem Dach“) zu besichtigen, danach die alten Teile des Ortes Kakopetria.

Der vorletzte Reisetag stand noch einmal in Zeichen von Kunst und Kultur, und zwar mit einer nochmaligen Fahrt in die Hauptstadt Nikosia. Unser erstes Ziel war das zypriotische Nationalmuseum – außerordentlich beeindruckend mit Funden aus der Geschichte der Insel von 3.000 v.Chr. bis 1.000 n.Chr. Für uns Deutsche war der sich anschließende Besuch des türkischen Nordteils Nikosias ein besonderes Erlebnis. Die Grenzteilung (seit der Besetzung des Nordteils durch türkische Truppen im Jahre 1974) ist durch Stacheldraht, bewaffnete Grenzposten (UN) und Verteidigungsstellungen gekennzeichnet. Die Pässe wurden kontrolliert, und bis 18.00 h mussten wir die Grenze wieder passieren. Sogar ein „Café Berlin“ gab es an der Grenze, was uns an die unselige Teilung der deutschen Hauptstadt bis 1989 erinnerte. Der türkische Teil Nikosias hat eine ganze Anzahl von historischen Sehenswürdigkeiten zu bieten, die uns Herr Prof. Rutz kenntnisreich erläuterte. Den Abend verbrachten wir mit einem festlichen Essen als Gäste des Presse- und Informationsamtes der Regierung in einem traditionellen zypriotischen Gastwirtschaft.

Die Reise klang am dann am 30.9. erholsam aus; wir wanderten in kleiner Gruppe durch das Troodos – Gebirge (andere fuhren an die Küste zum Baden). Der Rückflug erfolgte über Larnaka. Wir haben Zypern in einer Weise erlebt wie nur wenige andere. Die meisten Touristen auf dieser „Insel der Götter“ kommen kaum über Hotel und Strand hinaus…